ministerium-NRW

Im Januar 1969 trafen sich Doris Wiese, die Landesvorsitzende des Deutschen Frauenringes, Dr. Gertrud Erle, Katholischer Deutscher Frauenbund, Anneliese Becker, Evangelische Frauenarbeit im Rheinland und Lilly Marx, Jüdischer Frauenbund, um über die Gründung eines Dachverbandes der Frauenverbände in Nordrhein-Westfalen nachzudenken. "Ziel dieses Treffens war, einen losen Zusammenschluss der Frauengruppen zu organisieren bei vollkommener Wahrung der Eigenständigkeit und Respektierung der eigenen Arbeitsziele", heißt es im Protokoll der ersten Zusammenkunft.

Im Februar 1970 wurde von mehr als 40 Verbandsvertreterinnen der Gründungsbeschluss gefasst und ein fünfköpfiges Team gewählt (Doris Wiese, Dr. Gertrud Erle, Anneliese Becker, Lilly Marx und Vera Rüchel von der DAG), um die Satzung zu erarbeiten. Das Protokoll vermerkt: "Da man sich in der Zielsetzung vollkommen einig war, nämlich Engagement der Frauen für Aufgaben von öffentlichem Interesse zu unterstützen, als ‚pressure group' zu wirken, Wünsche und Forderungen der Frauen im vorparlamentarischen Raum an das Parlament zu geben, wird einstimmig beschlossen, eine Satzung zu entwerfen."

Im September 1970 fand die Gründungsversammlung statt, auf der der neue Verband seinen Namen erhielt: Frauenrat Nordrhein-Westfalen - Landesvereinigung der Frauenverbände und Frauengruppen gemischter Verbände'. Er wurde als gemeinnütziger Verband ins Vereinsregister eingetragen. Siehe auch Zeittafel

Die Satzung ist gleichsam die Verfassung des FrauenRat NW und regelt die Mitgliedschaft, Vorstandswahlen, Einberufung der Mitgliederversammlungen und vieles andere mehr. In der Präambel zur Satzung ist die Zielsetzung vorgegeben, die seit 1970 als Leitmotiv der Arbeit des FrauenRat NW vorangestellt ist: "In Nordrhein-Westfalen aktive Frauenorganisationen und Verbände sind der Überzeugung, dass zahlreiche Fragen des öffentlichen Lebens alle Frauen angehen, unabhängig davon, welcher parteipolitischen, konfessionellen oder sonstigen Richtung sie angehören oder zuneigen. Um an der Klärung und Lösung gesellschaftspolitischer Fragen gemeinsam mitarbeiten zu können und die Meinung und Verantwortung der Frauen in unserem Land konzentriert zur Geltung zu bringen, haben Frauenverbände und Frauengruppen gemischter Verbände den FRAUENRAT NORDRHEIN-WESTFALEN gegründet."    

Der FrauenRat NW ist demnach der Verband der Verbände und hat die schwierige Aufgabe, die unterschiedlichsten Interessen der angeschlossenen gewerkschaftlichen, konfessionellen und überkonfessionellen Berufsverbände, Sozialanspruchs- und Sozialleistungsverbände, Sportverbände, Verbände in den Bereichen Kirche und Kultur, parteigebundene Organisationen sowie ideelle Förderverbände zu bündeln und umzusetzen. 

Voraussetzung für die Mitgliedschaft im FrauenRat NRW ist die Organisation des Verbandes auf Landesebene sowie der Nachweis "spezifischer Frauenarbeit" in der Satzung. Auch Verbände, die Männer organisieren - also gemischte Verbände -, können Mitglied werden, vorausgesetzt, dass der Frauenanteil mindestens 75 % beträgt. Über die Mitgliedschaft entscheidet auf Empfehlung des Vorstandes die Mitgliederversammlung.

Die Mitgliederversammlung ist das höchste Gremium des FrauenRat NRW. Jeder Verband entsendet eine Delegierte unabhängig von der Mitgliederstärke. Eine Sonderregelung der Satzung sieht vor, dass die Verbände, die in mehreren Landesgruppen arbeiten, zwei Delegierte entsenden können.

Weitreichende Kompetenzen werden den einzelnen Verbänden, deren Selbständigkeit laut Satzung durch die Mitgliedschaft im FrauenRat NW nicht angetastet ist, eingeräumt. Mit dem Recht auf die Wahl und Entlastung haben die Delegierten ein entscheidendes Mitwirkungsrecht in der Verbandspolitik. Für alle Beschlussfassungen der Mitgliederversammlung müssen mindestens zwei Drittel der Mitgliedsverbände vertreten sein.

Auch die Aufgaben des Vorstandes - alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich - sind in der Satzung und in der Geschäftsordnung festgelegt: die Führung der laufenden Geschäfte, die Vertretung in gerichtlichen sowie außergerichtlichen Angelegenheiten, die Leitung der Mitgliederversammlung, Sichtung, Ordnung und Bearbeitung von Anträgen, die die einzelnen Mitgliedsverbände einreichen.

Das Budget des FrauenRat NW setzt sich zusammen aus den Mitgliedsbeiträgen der Verbände, aus Landesmitteln, die vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gewährt werden, aus projektbezogenen Landeszuschüssen und aus Spenden. 

Ein wichtiger und kompetenter Partner für die Durchsetzung frauenspezifischer Politik ist das Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie NRW. Tagungsergebnisse und Resolutionen gibt der FrauenRat NW an die Landespolitikerinnen und Landespolitiker weiter, aber auch an die Ministerien in NRW, um auf diesem Weg Einfluss in die Frauenpolitik zu nehmen.

Forderungen an die Bundespolitik trägt der FrauenRat NRW den Bundestagsfraktionen und der Bundesregierung vor und dem Deutschen Frauenrat. 

Landesfrauenräte bestehen in vergleichbarer Form wie in NRW in allen Bundesländern. Die 16 Landesfrauenräte sind durch die, Konferenz der Landesfrauenräte (KLFR) miteinander vernetzt.

In den mehr als 30 Jahren des Bestehens des FrauenRat NW hat sich gezeigt, dass die Frauen ihre eigene Sache vertreten müssen. Der Ausspruch von Louise Otto-Peters (1819-1895), Frauenrechtlerin, gilt immer noch: 
"Diejenigen, die an ihre Rechte zu denken vergaßen, werden auch vergessen werden!"
Die Gründerin des Vereins "Frauenwohl" Minna Cauer (1842-1922) forderte die Frauen beim Übergang ins 20. Jahrhundert auf: "Vollendet, was wir begonnen!".

Diese Forderung muss auch für die heute aktiv tätigen Frauen in den Verbänden gelten - sie sollte uns allen Ansporn sein.

Siehe auch Zeittafel

Nächste Termine

25.06.19 Vorstandssitzung

09.07.19 Telefonkonferenz

03.09.19 Vorstandssitzung

17.09.19 Sommerempfang

01.10.19 Vorstandssitzung

08.-10.11.19 Konferenz der Landesfrauenräte in Wiesbaden

19.11.19 Vorstandssitzung

10.12.19 Telefonkonferenz

Letzte Pressemitteilung

Geburtshilfe in Nordrhein-Westfalen besonders in ländlichen Regionen stärken

Anlässlich des Welthebammentages am 5. Mai macht der FrauenRat NRW auf die Situation der Geburtshilfe in Nordrhein-Westfalen und Deutschland aufmerksam und fordert eine wohnortnahe, verlässliche und sichere Geburtshilfe. Stationäre Geburtshilfe unterliegt den gleichen wirtschaftlichen Parametern wie alle anderen Abteilungen eines Krankenhauses und eine Unterscheidung zwischen Stadt und Land wird nicht vorgenommen.

Deutschlandweit wurden seit 2015 50 Kreißsäle geschlossen ohne dass dafür ein adäquater Ersatz geschaffen wurde. Die Entfernung zur Geburtsklinik, die werdenden Eltern zugemutet werden kann, beträgt 40 Minuten. Im ländlichen Raum und bei widrigen Wetterbedingungen kann diese notwendige Strecke sehr zeitintensiv werden und ist mit erhöhten Gefahren für Mutter und Kind verbunden. Schließungen von Geburtsstationen in ländlichen Regionen steigern für werdende Mütter das mit einer Geburt verbundene Risiko deutlich stärker als in Ballungszentren. Dort können nach dem Wegfall eines Geburtshilfezentrums fast immer noch die benachbarten Entbindungsstationen ausreichend schnell erreicht werden.

Ländliche Regionen kämpfen auf der einen Seite um den Zuzug und Verbleib junger Familien. Auf der anderen Seite konterkariert die Reduzierung geburtshilflicher Leistungen diese Anstrengungen. Geburtshilfe ist eine Gemeinwohlaufgabe. Die Kosten dafür müssen von Staat und Gesellschaft aufgebracht werden. Eine niedrigschwellige, flächendeckende Grundversorgung ist auch für die Geburtshilfe unabdingbar!

Mütter brauchen nach ihrer Entlassung aus der Klinik eine Hebamme, die sie und das Neugeborene im Wochenbett betreut. Vielerorts steht eine solche Hebamme nicht zur Verfügung, weil die Nachfrage größer ist als das Angebot. Das wirkt sich besonders in ländlichen Gebieten aus. Frauen müssen eine Hebamme finden, egal wo sie wohnen. Die Betreuung durch eine Hebamme ist für junge Familien eine notwendige Unterstützung und führt zu einer nicht zu unterschätzenden Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Mutter und Kind. Immer mehr Hebammen geben ihre Freiberuflichkeit aufgrund fehlender finanzieller Sicherheit und zu geringer Bezahlung auf und können keine Wochenbettbetreuung mehr übernehmen.

Der FrauenRat NRW sieht dringenden Handlungsbedarf von politischen Akteur*innen im Gesundheitswesen, den Ärztekammern, der Kassenärztlichen Vereinigung, den Klinikträgern und den Krankenkassen.

Der FrauenRat NRW fordert eine schnellstmögliche Umsetzung:

  • die Gewährleistung einer wohnortnahen - d. h. Erreichbarkeit in 20 bis 30 PKW-Minuten - Versorgung durch Krankenhäuser oder Geburtshilfeeinrichtungen und die freie Wahl des Geburtsorts,
  • die Gewährleistung einer flächendeckenden Hebammenhilfe zur Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung,
  • einen besseren Personalschlüssel z.B. mit einem 1:1 Betreuungsschlüssel im Kreißsaal bei der Geburt,
  • die (Wieder-)Einstellung von Hebammen,
  • die Umsetzung von innovativen Versorgungsmodellen mittels derer sowohl den Hebammen der Wiedereinstieg in die Tätigkeiten ermöglicht als auch die Versorgung der Schwangeren und der Mutter gesichert wird,
  • eine ausreichend finanzielle Absicherung der freiberuflichen Hebammen,
  • der Einsatz von (freiberuflichen) Hebammen muss leistungsgerecht vergütet werden,
  • die Evaluierung des Modells der Abrechnungspauschale und einer gegebenenfalls neuen Bewertung,
  • die Entwicklung angemessener Finanzierungsmodelle für die praktischen Einsätze von Hebammen während des Studiums.

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