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Im freien Fall vom Superweib zur Arbeitslosen

 

Biographien wie aus dem Karriere -Ratgeber: zügig studiert, fremde Sprachen gesammelt und sich im Ausland getummelt. Aufmüpfig? Nicht doch. Die Generation der heute 30 -jährigen hat eigentlich alles richtig gemacht. Auch Marnie, Content -Managerin einer Internetfirma. Doch auf einmal ist sie arbeitslos. Schluss. Aus. Geschasst. Muss den Internet -Supermarkt mit Aldi tauschen und den Designerstuhl mit der Bank auf dem Arbeitsamt. Sie rutscht in die "Parallelwelt" der Arbeitslosigkeit, die - so dachten doch alle - nur solche erwischt, die sich nie richtig angestrengt haben. Tine Wittler spart in ihrem Generationen-Portrait nicht an Selbstironie. Denn Marnies Geschichte ist auch ihre. Die Geschichte einer Generation, die willig dem Lockruf der New Economy gefolgt ist und fest davon überzeugt war, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Und die sich jetzt fassungslos im freien Fall des freien Marktes wiederfindet und wie verwöhnte Kinder trotzig mit dem Fuß aufstampft. Schade nur, dass Tine Wittler ihrem Zeitzeugnis selbst nicht traut und eine seichte Liebesgeschichte und ein allzu versöhnliches Happy End darüber plaudert.

Michaela Böhm  (in: frauen unterwegs, Zeitschrift für Frauen in der Kirche)

 

Tine Wittler: Parallelwelt

Argon Verlag, Berlin 2003

 

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