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Fröhliches vom schmerzhaften Spagat zwischen Familie und Beruf 

 

Was macht eine berufstätige Mutter nachts um halb zwei in der Küche? Sie bearbeitet fertig gekaufte Törtchen, damit sie aussehen wie selbstgemacht; schließlich soll ihre Tochter beim Schulfest nicht mit leeren Händen dastehen. Kate Reddy hat zwei kleine Kinder - "zumindest waren es so viele, als ich sie das letzte Mal gesehen habe" - und arbeitet als Fondsmanagerin in der Londoner City. Sie betreut Kunden in Europa und den USA, hetzt von einem Meeting zum nächsten, verkehrt mit ihren Freundinnen nur noch per Email und muss nebenbei unbedingt Weihnachtsgeschenke für das Kindermädchen besorgen. Die schmerzhaften Verrenkungen, die der Spagat  zwischen Familie und Beruf mit sich bringt, sind selten so boshaft und unterhaltsam zugleich beschrieben worden wie in diesem Roman. Während die Heldinnen vergleichbarer Werke meist fröhlich von Erfolg zu Erfolg hüpfen, ist Kate Reddy mitnichten ein "Superweib"; mehr und mehr gleicht ihr Leben einem absurden Albtraum aus Erschöpfung und Zeitnot. Allison Pearson ist mit ihrem Erstling eine rabenschwarze Satire gelungen. Normalmütter, deren Alltag nicht aus Überseeflügen, Armani -Kostümen und Telefonkonferenzen besteht, werden das Buch nach den ersten Seiten entnervt zur Seite legen - oder es in einem Rutsch durchlesen.

 

Andrea Teupke (in: frauen unterwegs, Zeitschrift für Frauen in der Kirche)

 

Allison Pearson: Working Mum

Wunderlich Verlag, Reinbeck 2003,

 

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