ministerium-NRW

Digitale Aktivitäten begleiten uns wie Sie alle bei unserer täglichen Arbeit. Niemand kann sich mehr vorstellen, unsere Arbeit wie ehedem nur mit Schreibmaschine (eine Urschrift mit fünf Durchschlägen!), Briefen, Postaufklebern und – das haben wir meistens schon vergessen – ziemlich teuren - Telefongesprächen zu erledigen. D a s wäre Ehrenamtlichen heute nicht zuzumuten.

Die Digitalisierung ist aber nicht nur eine Arbeitserleichterung, sie ist auch eine Aufgabe, die an uns als Landesfrauenrat große Anforderungen stellt. Denn viele, vor allem junge Frauen sind nur noch online erreichbar und existieren gleichsam nur noch virtuell. Andere Frauen verweigern sich der Digitalisierung und sind – grundsätzlich oder weil sie nicht anders können – sozusagen nur offline unterwegs. Das ist zwar menschlich verständlich – aber oft nicht sehr effektiv.

Zu einer digitalen Spaltung darf es aber weder in der Gesellschaft insgesamt noch bei uns Frauen und in unseren Verbänden kommen. Daher sind wir auf der Suche nach einer digitalen Strategie für Frauenverbände.

Digitalisierung – ein unaufhaltsamer Trend

Die Digitalisierung beginnt nicht erst heute, sondern wir stehen mittendrin. Nach einer Angabe des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie waren 1990 drei Prozent aller weltweiten Informationen digital verfügbar, heute sind es 97 Prozent. Wie immer diese Zahl erhoben wurde – sie ist in der Tendenz richtig und wird durch unsere Erfahrung bestätigt. In den nächsten 10 bis 20 Jahren wird in Deutschland eine große Zahl von Arbeitsplätzen durch Automatisierung wegfallen. Keiner kennt die genauen Zahlen. Das BM für Wirtschaft geht von vorsichtigen 12 Prozent aus, für die USA werden Zahlen von 40 bis 50 Prozent vorhergesagt.

Wir müssen ja nur unseren Alltag beobachten, um auch ohne Statistik die fortschreitende Digitalisierung zu registrieren. Ich mache morgens meine Mails auf und bin manchmal eine Stunde lang damit beschäftigt, sie zu lesen und zu beantworten. Es sind ganz unterschiedliche Informationen, die sich auf meinem Computer einfinden – vielleicht eine Anfrage der Geschäftsstelle, die ich kurz beantworten kann. Vielleicht ist es auch eine Pressemeldung aus der Politik oder eine Stellungnahme eines unserer Verbände zu Ehrenamt, Zwangsehe oder Prostitution. Wenn ich mich damit ernsthaft befassen will, brauche ich Zeit. Dann entsteht eine Abwehr: muss ich das wirklich alles wissen, geht es mich etwas an, was andere an anderen Orten und in anderen Zusammenhängen tun? Aber selbst wenn ich mich aus Zeitgründen beschränke – ich habe die Botschaft ja bereits vernommen und so werde ich, werden wir durch die Digitalisierung in immer weitere Zusammenhänge hineingezogen.

Auch das Smartphone als alltäglicher Begleiter, nicht nur unterwegs, sondern auch in der Schule, am Arbeitsplatz und am Mittagstisch verändert unsere Befindlichkeit ebenso wie der Online-Handel, Online-Banking, Online-Formulare. Sie alle verändern unser Leben in kleinen Schritten. 

Jede dieser digitalen Errungenschaften beurteilen wir je nach Persönlichkeit skeptisch oder optimistisch. Tatsache ist, dass alles zwei Seiten hat. Dem Vorteil des Online-Handels steht die Verödung der Innenstädte gegenüber. Als Folge des Online-Bankings gibt es bald keine Post- oder Bankfilialen mehr, in denen man mit einem Menschen sprechen kann. Die sozialen Medien vergrößern zwar den Radius der Kommunikation, sie bergen aber auch die Gefahren wie die eines Shitstorms. Und das Internet, unsere unerschöpfliche Informationsquelle, ermöglicht Cyber Grooming und sexuellen Missbrauch.

Selbst wenn wir es wollten, können wir die Digitalisierung nicht aufhalten. Sie wird jetzt erst an Fahrt aufnehmen. Der Berliner Koalitionsvertrag spricht eine deutliche Sprache – in jedem Kapitel wird auf die Digitalisierung Bezug genommen.

Frauen müssen profitieren

Im Laufe der Geschichte haben sich Frauen mühsam den Weg in die Berufswelt und damit in die Gesellschaft erkämpft. Sie konnten immer erst nachträglich dort einsteigen, wo Männer schon längst waren. Mit der Digitalisierung setzt eine neue Entwicklung ein, bei der die Frauen von Anfang an dabei sein können. Und nicht nur das – sie können sich an die Spitze der Bewegung setzten und diese mitgestalten.

Dazu bedarf es zunächst einmal der Strategie, sich nicht abhängen zu lassen. Am Arbeitsplatz wird es darauf ankommen, wer welche Fortbildungen macht. Hier dürfen Frauen – auch als Teilzeitbeschäftigte – nicht zurückstehen. Technisches Wissen, kompetenter Umgang mit sozialen Medien, Kenntnisse im Datenschutz werden zunehmende Schlüsselqualifikationen sein. Hier haben Frauen die besten Voraussetzungen, denn: Mädchen und Frauen können MINT, oft sogar besser als Jungen.

Es ist daher im Interesse von Frauen, bei der Digitalisierung voran zu gehen. Nur wer die Technik beherrscht, kann mitmachen. Und nur wer mitmacht, kann die Spielregeln bestimmen. Unsere Aufgabe als Frauenverbände ist es und wird es immer mehr sein, das in der Öffentlichkeit wirksam zu machen. 

Darüber hinaus verändert die Digitalisierung auch die Strukturen der Zusammenarbeit: Die Hierarchien werden flacher, Team- und Kommunikationsfähigkeit gewinnen an Bedeutung. Auch damit können die Frauen punkten!

Werden wir – und vor allem werden wir Frauen – von der Digitalisierung profitieren? Das liegt an uns. Ein lateinisches Sprichwort sagt: “Ducent fata volentem nolentem trahunt. Den Willigen führt das Geschick, den Unwilligen zieht es.“ Wir Frauen müssen nur wollen. Viele trauen sich noch nicht so recht – hier liegt eine der großen Aufgaben unserer Verbände.

Frauenverbände – online oder offline?

Sehen wir uns die Verbände genauer an, so kann man dort eine digitale Spaltung durchaus feststellen. Die Trennungslinie verläuft entlang den Generationen, denn einige der Älteren haben den Anschluss verpasst. Jungen Frauen hingegen ist gar nicht zu vermitteln, dass man digital nicht kann oder nicht will.

Die Digitalisierung hat bereits jetzt die Kommunikation in den Frauenverbänden verändert. Es ist heute möglich, direkt mit den Mitgliedern zu kommunizieren, ohne die Zwischenstufen von Orts- oder Regionalvorsitzenden, die nicht immer zur Kommunikationsverbesserung beitragen. Der Gedankenaustausch innerhalb des Verbandes geschieht meistens per Mail. Durch die Wahl des geeigneten Verteilers kann man Transparenz herstellen, so dass eine definierte Gruppe über ein gemeinsames Wissen verfügt.

Es sind aber weitere Schritte möglich. In den politischen Parteien wird zunehmend Basisdemokratie praktiziert, bislang noch ohne digitale Abstimmungen, aber das kann sich ändern.

Auch in unseren Verbänden könnten wir mit einer digitalen Strategie sehr viel mehr Frauen erreichen. Es ist möglich, Webinare durchzuführen oder Vortragsveranstaltungen mit Diskussionen. Das käme besonders den Frauen zugute, die durch lange Anfahrtswege gehindert sind, sich gesellschaftspolitisch zu betätigen.

Sicher sind dazu manche Hürden zu überwinden, der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Aber wichtiger noch ist der mentale Zugang. Einen Breitbandanschluss brauchen wir nicht nur vor unserer Haustür, sondern auch im eigenen Kopf.

Wie gewinnt man „digitale Frauen“?

Viele junge Frauen verstehen heute die Logik eines Vereins nicht mehr. Ein Netzwerk scheint so viel einfacher zu sein. Es kostet nichts, man hat eine große Reichweite und wenn das Interesse erlischt, steigt man einfach aus. Aber ist das so richtig? Jede menschliche Beziehung folgt gewissen Strukturen und Regeln. Und wenn eine Beziehung dauerhaft und verlässlich sein soll, muss man selber Verlässlichkeit investieren.

In einem Verein folgt man Regeln, die in der Satzung festgelegt sind, insofern ist ein Verein der Rechtsstaat im Kleinen. Beschlüsse werden in den dafür vorgesehenen Gremien gefasst und sind somit demokratisch legitimiert. Diese demokratische Legitimation genießt in unserer Gesellschaft hohen Respekt. Vereine können Vertreter in andere Gremien entsenden, deren Entschlüsse ebenfalls demokratisch legitimiert sind, wie z. B. den Rundfunkrat oder die Medienkommission, um nur zwei Gremien zu nennen, in denen der FrauenRat vertreten ist. Insofern bilden unsere Vereine einen wichtigen Teil der Zivilgesellschaft. Das Netz hat diese Qualitäten nicht.

Als Landesfrauenrat auf sind wir der Suche nach den jungen Frauen, die online unterwegs sind. Wie können wir sie in unsere Verbände einbinden und für bürgerschaftliche Verantwortung gewinnen? Wie kommen wir zu einer zukunftsorientierten Netzwerkarbeit?

Runder Tisch Digitalisierung

Diese Fragen treiben uns um und sie sind auch ein Grund für unser Engagement am heutigen Tag. Als Landesfrauenrat möchten wir ein Angebot machen: Die Gründung eines Runden Tisches Zukunftsorientierte Netzwerkarbeit. Dort können sich Vertreterinnen der Verbände und Frauen, die digital unterwegs sind, treffen. Es gibt genug zu besprechen: Bessere Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch von digitalem Wissen aber auch die kritische Begleitung der gesellschaftlichen Auswirkungen.

Ich bin sicher, dass wir voneinander lernen können und dass es uns gemeinsam gelingen kann, die digitale Welt von Frauen und für Frauen zu gestalten.

Nächste Termine

04.12.18 Vorstandssitzung

22.01.19 Vorstandssitzung

26.02.19 Vorstandssitzung

30.03.19 Mitgliederversammlung

07.05.19 Vorstandssitzung

Letzte Pressemitteilung

Mehr Frauen in die Parlamente - Veranstaltung des FrauenRat NRW zu 100 Jahre Frauenwahlrecht

„100 Jahre Frauenwahlrecht sind ein Grund zu feiern, aber auch eine Gelegenheit, eine kritische Bilanz zu ziehen“ so Dr. Patricia Aden, Vorsitzende FrauenRat NRW, zur Eröffnung der diesjährigen Veranstaltung „Vom Frauenwahlrecht zur Partizipation“ im Heinrich-Heinrich-Institut Düsseldorf am 06. Oktober 2018.

Der Frauenanteil im Bundestag ist mit knapp 31 Prozent so niedrig wie vor 20 Jahren. In NRW sieht es noch schlechter aus: unser Bundesland belegt mit 27,1 Prozent an Frauen im Landtag im Länderranking den 5. Platz, und zwar von hinten.

Die Historikerin und Publizistin Dr. Frauke Geyken, freie Mitarbeiterin des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel, gab unter dem Titel „Auch wir wollen die Wahl haben!“ zu Beginn einen Überblick über den langen Weg der deutschen Frauen zum politischen Frauenwahlrecht. Die erste Wahl unter Beteiligung von Frauen als Wählerinnen und Gewählte fand am 19. Januar 1919 statt. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. Von den insgesamt 423 Abgeordneten zogen 37 Frauen von 300 Kandidatinnen in die Nationalversammlung ein. Das entspricht einem Frauenanteil von 8,7 Prozent.

„In den heutigen Parlamenten ist die Frauenquote enttäuschend gering“ konstatierte Dr. Ricarda Brandts, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts Münster für das Land NRW in ihrem Vortrag zur „Parität in den Parlamenten im Lichte des Verfassungsrecht“. Die paritätische Besetzung der Wahlvorschläge sei zweifellos ein wichtiger Schritt hin zu mehr Repräsentanz von Frauen in den Parlamenten. Neben freiwilligen Verpflichtungen der Parteien seien auch gesetzliche Vorgaben für die Ausgestaltung von Wahllisten, z.B. durch ein Parité-Gesetz, denkbar. Das Verfassungsrecht gäbe dazu allerdings keine eindeutigen Antworten. Ein Eingriff in das Demokratieprinzip, die Wahlrechtsgrundsätze und das Parteienrecht sei mit dem Gleichstellungsgebot des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG abzuwägen. Erzwungene Einschränkungen seien - wenn überhaupt - nur in engen Grenzen gerechtfertigt. Nach dem abweisenden Urteil des Bayrischen Verfassungsgerichtshofs auf die Popularklage des „Aktionsbündnisses Parité in den Parlamenten“ vom 26. März 2018 sei der Gesetzgeber zur Änderung des Wahlgesetzes nicht verpflichtet. Dr. Ricarda Brandts bewertete es als „kleinen Lichtblick“, dass die generelle Zulässigkeit eines Parité-Gesetzes ausdrücklich offen gelassen worden sei. Dies dürfte wesentlich von dessen Ausgestaltung abhängen.

Dr. Sybille Buchwald-Werner von der DAB Regionalgruppe Düsseldorf moderierte anschließend die angeregte Podiumsdiskussion.

Josefine Paul , MdL, stellte als frauenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, klar, dass die parteiinternen 50 Prozent Quote die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen in allen Gremien und Fraktionen sicherstellt. Trotzdem sei eine gesetzliche Quotenregelung für alle Parteien notwendig, damit Frauen in allen Parteien und somit auch in den Parlamenten die Hälfte der Macht erhalten. 

Eva Lux, MdL, stellv. frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, betonte, dass die Geschlechterquote der SPD von mind. 40 Prozent-Anteil von Frauen bzw. Männern und die Besetzung der Wahllisten im „Reißverschluss-Verfahren“ schon in die richtige Richtung gehe, aber die Beseitigung der strukturellen Nachteile ebenfalls wichtig sei: „Mehr Frauen wäre schön“.

Heike Troles, MdL, frauenpolitische Sprecherin der CDU Landtagsfraktion, gab trotz des Quorums von 30 Prozent in der CDU an, dass es schwierig sei, starke Frauen zu finden, die sich politisch engagieren möchten. Das Mentoring-Programm der Frauen-Union, das es vergleichbar auch in anderen Parteien gäbe, sei dabei sehr hilfreich.

„Die Frauen innerhalb der FDP diskutieren kontrovers über das Thema Frauenquote“ so Martina Hannen, MdL, stellv. Mitglied im Ausschuss Gleichstellung und Frauen des Landtags Nordrhein-Westfalen. In der „Female Agenda - Chancen durch Vielfalt“, deren Ergebnisse im November 2018 vorlägen, konnten sich die Frauen einbringen. Die Frauen müssten sich in der Gesellschaft weiterhin Gehör verschaffen und „im Kopf emanzipiert bleiben“.

Das interessierte Publikum diskutierte mit und so wurde nach der Beteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund gefragt und ein angemessener Frauenanteil bei der Besetzung von Expertenkommissionen des Landes gefordert.

Dr. Patricia Aden schloss die Veranstaltung mit der Bitte, die Forderung nach einem Paritäts-Gesetz nicht ad acta zu legen.